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Jun Mizutanis hoch geworfener Vorhand-Aufschlag mit plötzlicher Bewegungsänderung
Jun Mizutani gilt als der japanische Spieler, der es schaffen kann, unter die TOP 10 der Welt zu kommen. Im Augenblick steht er auf Rang 29. Der technisch sehr versierte Jun hat im Aufschlagspiel eine sehr eigene Note entwickelt, die dem Gegner häufig unerwartete Aufschlagvarianten beschert. Er gehört zu jenen, die den Ball beim Vorhand-Aufschlag weit über den Kopf hochwerfen und mit überraschenden Varianten der Schlagarmbewegung aufwarten. Die vorliegende Bildreihe ist ein gutes Beispiel dafür..
Auftakt und Ausholphase: Foto 1-6: Jun steht seitlich neben dem Tisch, dem Gegner den Rücken schräg zugewandt (Foto 1). Sein rechter Oberschenkel scheint die Tischecke zu berühren. Dabei sind die Füße parallel, etwa schulterbreit auseinander. Der Ball hat die Hand bereits verlassen und ist im Bild nicht zu sehen. Mit den Augen verfolgt Jun den Ball, der etwa ein bis zwei Meter über seinem Kopf sein dürfte, ganz genau. Sein Schläger ist vor dem Körper.
Während er den Ball hochwerfenden Arm bereits herunternimmt (Foto 2), zieht er den Schläger halbkreisförmig in Richtung rechter Hüfte. Den Schlägergriff hat er - wie die meisten Topspieler - mit seinen Fingern losgelassen, um die Vorhand-Aufschlag-Schlägerhaltung einzunehmen. Dabei wird der Schläger zwischen Daumen und Zeigefinger eingeklemmt, um dem Handgelenk mehr Bewegungsfreiheit und -geschwindigkeit zu geben.
Auf Foto 3 sehen wir, dass der den Ball hochwerfende Arm jetzt bereits auf Schulterebene ist. Der Schläger hat jetzt den Endpunkt seiner nach rechts gerichteten Ausholbewegung erreicht.
Fotos 4-6: Jun zieht den Schläger nun wieder schnell in die entgegen gesetzte Richtung (gestrichelte Linie, bereits auf Foto 3 angedeutet) und führt ihn bis zum Ende der Ausholphase (Foto 6). Auf Foto 4 können wir auch erkennen, wie Jun sein Körpergewicht auf das hintere Bein verlagert, denn sein vorderer Fuß hebt bereits vom Boden ab (Fotos 4/5). Auf Foto 6 hat er keinen Bodenkontakt mehr.
Diese Gewichtsverlagerung muss erfolgen, da Jun den Schlagarm nach hinten in die extreme Ausholposition gebracht hat. Dabei beugt er auch leicht im rechten Knie, was auf eine Absenkung des Körperschwerpunktes zum Balltreffpunkt hin schließen lässt. Interessant auch, wie er den Ball, der sich nun auf Stirnhöhe befindet nach wie vor extrem mit seinen Augen fixiert.
Warum Jun in der Ausholphase diese Gegenbewegung - erst nach rechts und dann nach links - macht, hat sicher auch damit zu tun, den Gegner bei der Wahrnehmung seines Aufschlages zu stören, ihn vom eigentlichen Balltreffpunkt abzulenken. Andererseits ist diese Gegenbewegung auch nur bei hochgeworfenen Aufschlägen möglich, denn bei normal bis Kopfhöhe angeworfenen Aufschlägen würde dazu die Zeit fehlen.
Schlagphase - Fotos 7/8: Jun trifft den Ball in Brusthöhe. Foto 7 zeigt ihn einen Bruchteil einer Sekunde vor dem Balltreffpunkt. Der Schlagarm ist im Ellbogengelenk extrem gebeugt, damit er den Schlagarm bis auf Schulterebene heben kann. So erhält er mehr Bewegungsfreiheit für die Schlaghand und den Schläger. Deutlich sichtbar ist auch, dass Jun den Oberkörper zum Balltreffpunkt absenkt und vom hinteren linken, jetzt stärker gebeugten Bein einen nach vorne gerichteten Bewegungsimpuls setzt.
Wir können es nicht sehen, aber genau im Moment des Balltreffpunktes setzt Jun den vorderen Fuß auf und fängt nun die nach vorne gerichtete Augschlagbewegung mit dem vorderen rechten Bein ab. Einige Spielerinnen und Spieler stampfen beim Aufschlag regelrecht auf, was einige Jahre verboten war. Dieses Aufstampfen im Balltreffpunkt - es muss ja nicht extrem laut sein - hat aber den Vorteil, dass der Spieler eine hoch komplizierte Aufschlagbewegung optimal timen und damit rhythmisieren kann.
Auf Foto 8 erkennen wir, dass das vordere Bein den Bewegungsimpuls abfängt, während der hintere Fuß den Boden nur noch über die Zehen berührt. Die Schlägerstellung ist aber überraschend. Nicht nur der extrem hohe Ellbogen, der darauf hindeutet, dass Jun den Schläger im Moment des Balltreffpunktes nach oben gezogen hat, sondern auch die Schlägerblattstellung waren aufgrund der vorhergegangen Schlägerblattstellung (Foto 7) nicht unbedingt zu erwarten. Jedenfalls hat er den Schläger halbkreisförmig von außen nach innen blitzschnell gekippt. Ein Vergleich von Foto 7 mit 8 zeigt dies ganz deutlich.
Bei der Betrachtung der Ausschwungbewegung (Fotos 9/10) wird diese Einwärtsdrehung noch klarer. Wenn Jun den Ball tatsächlich mit dieser nach oben gerichtete Kippbewegung getroffen hat, würde es sich um einen Seiten-Oberschnitt-Aufschlag handeln. Es kann aber auch sein, dass Jun diese Kippbewegung erst nach dem Balltreffpunkt vorgenommen hat, um den Gegner zu täuschen. Denn hätte er den Schläger mit der Schlägerblattstellung von Foto 7 getroffen, wäre es ein Seitenunterschnitt-Aufschlag zu erwarten gewesen.
Wir können diese Frage hier nicht schlussendlich beantworten. Fest steht jedenfalls - und das ist besonders gut bei vielen asiatischen Topspielern zu beobachten -, dass die plötzlich veränderte Aufschlagbewegung den Gegner zu einer völlig falschen Einschätzung des Aufschlags verleiten soll und kann. Dass dies alles im Bruchteil einer Sekunde geschieht, unterstreicht die Schwierigkeit eines solchen Aufschlag-Bewegungsablaufs. Er verlangt Feinstkoordination mit höchster Präzision.
Ausschwungphase - Fotos 9-11: Jun zieht den Schläger weiter kreisförmig nach innen-oben. Gleichzeit hebt sein linker Fuß ab und leitet eine Einwärtsdrehung des Körpers ein, um in eine optimale Grundstellung zu kommen. Dabei ist das vordere Bein der Drehpunkt, um wieder in den Tisch zu kommen. Auf den Fotos 9/10 sehen wir auch, wie Jun die Aufschlag-Schlägerhaltung aufgibt, um zu seiner normalen Shake-Hands-Schlägerhaltung zurückzukehren, ähnlich wie beim Schlägerdrehen. Auf Foto 10 ist die Einnahme der Grundstellung noch nicht abgeschlossen. Auf Foto 11 hingegen befindet sich Jun wieder in einer optimalen Schlagposition, um den Return seines Aufschlags optimal zu erwidern: parallele Fußstellung, in den Knien leicht gebeugt, Schlagarm vor dem Körper.















